Mikroplastik im Fleur de Sel

Tja, die Meldung haben wir auch gelesen – und uns etwas amüsiert, aber noch mehr geärgert. Denn tatsächlich sind unsere Messmethoden ja inzwischen so genau, dass man die unglaublichsten Spuren nachweisen kann. Wenn man die Meldung überfliegt, dass bei einem wissenschaftlichen Test der Anteil an Mikroplastik bei 130 bis 1800 Mikrogramm je 100 Kilogramm lag, dann macht die große Zahl 1800 auf jeden Fall schon mal Angst und man vergisst doch glatt, dass sich das auf 100 kg bezieht. Und wer weiß schon, dass ein Mikrogramm ein Millionstel Gramm ist? Hätte man ebenso exakt gemeldet, dass auf 1 kg Salz 0,000018 g Plastikteilchen kommen, hätte das kaum Ihre Aufmerksamkeit erregt, sondern Sie wahrscheinlich sogar beruhigt. Denn so wenig hätten Sie im Zweifel gar nicht angenommen, oder? Da aber zusätzlich noch auf ein sogar sichtbares Teil hingewiesen wurde – was aber nicht in die Untersuchung einging, denn das hätte dann doch den Rahmen gesprengt! –, haben Sie sich vor Ihrem geistigen Auge schon eine halbe Müllhalde ausgemalt und verständlicherweise gar nicht erst versucht, sich auszurechnen, wie wenig das in Wirklichkeit ist. Ein winziges, gerade eben sichtbares Stückchen Plastik, das vielleicht beim Aufreißen einer Packung an das Salz kommen kann, wäre allerdings tatsächlich so viel, wie Mikroplastik in vielleicht 200 Tonnen Salz aufzuspüren wäre. Also alles eine Frage der Relation. Wir haben uns gefragt, ob der Redakteur wirklich wusste, was er da veröffentlicht hat …

Natürlich reichert sich alles, was wir verbrauchen, in irgendeiner Weise irgendwo an – es geht ja keine Materie verloren. Und natürlich muss man alles unter Beobachtung haben. Aber man sollte auch die Kirche im Dorf lassen.

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