Asiatische Küche in Frankfurt am Main

Anlässlich der Buchmesse waren wir vier Tage in Frankfurt und haben uns umgesehen: Wir wollten wissen, wie authentisch man in den asiatischen Restaurants in dieser Stadt essen kann.

Zuerst allerdings ging‘s freilich die wunderbare Kleinmarkthalle: Immer wieder erstaunlich, was es da alles gibt, enorme Vielfalt, großartige Qualität,  zu (im Gegensatz zu Stuttgart oder München) erstaunlich moderaten Preisen. Auffällig, dass hier Ware aus Frankreich die italienischen Produkte überwiegt – eben eine ganz andere geographische Orientierung, als weiter südlich, in Stuttgart oder München – was sich natürlich auch in der Qualität zeigt: Geflügel! Käse! Die besten Qualitäten kommen eben aus Frankreich. Und diese Konkurrenz belebt ganz offensichtlich auch die heimischen Produzenten. Auch aus der Umgebung vorzügliche Ware! Großartig die regionalen Produkte, interessant die vielerlei ansonsten in diesem trockenen Jahr ja so knappen Pilze. Steinpilze leider wie inzwischen fast überall üblich immer aufgeschnitten –einerseits verständlich, um dem Kunden zu beweisen dass die Pilze madenfrei sind, andererseits eine Sünde, denn der Anschnitt trocknet aus und entwickelt durch die Oxidation einen überständigen Geschmack. Um die Mittagszeit lange Schlangen vor den Wurstständen der Metzgereien, Geduld für „die guuude Worscht“. Zu Recht, wie wir wissen, es wegen der Wartezeit aber nicht erneut überprüfen.

Was wir dagegen wieder besucht haben, ist das japanische Restaurant Mikuni in der benachbarten Fahrgasse 91, dem wir schon seit Jahren die Treue halten. Zwei einander nicht bekannte Kochschüler hatten uns von ihren enttäuschenden Erlebnissen dort erzählt. Wir können das in keiner Weise bestätigen: Die Sushi waren ausgezeichnet, frischester, duftender Fisch… Leider gab’s weder Hamachi (Gelbflossenmakrele) noch Uni (Seeigel), aber Chu-toro (halbfette Bauchpartie vom Thunfisch) und Oh-toro (fetter Thun-Bauch) schmolzen reintönig auf der Zunge, die Amaebi (Süßwassergarnelen) waren extra groß, saftig und aromatisch, der Unagi (warmer gebeizter Aal) ein Gedicht. Auch die gerollten Maki (Negitori und Maguro-Avocado) von perfekter Struktur und der Reis von feinsäuerlichem Wohlgeschmack. Das Ambiente freilich ist schlicht, sehr schlicht sogar, eben eher Imbissbude als Restaurant; ziemlich in die Jahre gekommen, etwas brüchig und angestaubt, nicht alle Lampen mit funktionierenden Leuchtmitteln versehen (wie man heute sich technisch-kompliziert ausdrücken muss, Birnen sind es ja in den meisten Fällen nicht mehr). So mancher Gast mag sich in dem Laden nicht so recht wohl fühlen und vielleicht seine Befindlichkeit untergründig auf die Speisen übertragen. Sicher ist es nicht rechte Location für den berühmten kuscheligen Abend im feinen Restaurant. Aber uns, die wir viel Asien gereist sind, stört das nicht. Dort kann man in den einfachsten und ungemütlichsten (manchmal sogar in hygienischer Hinsicht wenig vertrauenerweckenden) Lokalitäten oft die authentischste Küche genießen. Und eigentlich ist es uns lieber, wenn mehr in die Qualität der Zutaten als in die Ausstattung des Restaurants investiert wird.

Das genaue Gegenteil fanden wir im feineren, nicht unbedingt luxuriös, aber doch irgendwie seriös ausgestatteten Hotelrestaurant – zum Beispiel im chinesischen Restaurant San San im Westin Grand Hotel (Konrad-Adenauer-Straße 7). Die ausgehängte Karte empfiehlt speziell (auch mit einem Foto) die köstlichen Dim Sum („Kleinigkeiten, die zu Herzen gehen“). Nur deshalb waren wir neugierig, sie sahen auf dem Photo absolut authentisch aus. Tatsächlich gab es dann nur vier ausgebackene Varianten und ein Körbchen mit 2 x 3 gedämpften Täschchen.  Die gebackenen Teilchen waren merklich zu fett und wurden alle mit der gleichen süßen Chili-Fertigsauce serviert: ganz ordentliche Frühlingsrollen, sehr kompakte Garnelenmasse einmal in Seetang und Sesam und einmal in einer Teighülle sowie gebackene Wan Tan mit Schweinefleisch – alles gewürzt und wenig inspiriert. Die gedämpften Täschchen (Har Kau, Siu Mai und Fangoh) ebenfalls eher langweilig als zu Herzen gehend, wohl TK-Fertigware – jedenfalls von dieser in nichts zu unterscheiden.

Wir hielten uns nicht lange auf, verzichteten auf weitere Tests des belanglosen Speiseangebots und besuchten auf dem Heimweg zum Hotel, auf der Suche nach kulinarischer Befriedigung, das gleich in der rückwärtigen Großen Friedberger Straße 32 gelegene Thai Restaurant Koh Samui, gleichzeitig Cocktail Lounge. Auf einen solchen verzichteten wir, bestellten uns Lab Ped (gehackte Ente als Salat) und Gai Pad Kaprau (Hähnchen mit dem heiligen Thai-Basilikum Bai Kaprau) – und waren rundum zufrieden. Etwas derb in der Ausführung, wenig ausdrucksstark gewürzt (was mit etwas Prik Nam Plaa – Fischsauce mit Chili behoben werden konnte) und leider viel zu wenig frischen und aromatischen Kräutern. Vor das Lab Ped litt darunter, in den lediglich ein paar  Minzeblätter gehackt waren. Aber das kennen wir schon: Weil die deutschen Gäste die Kräuter und Salatblätter der in Thailand üblichen Anrichteweise für Dekoration halten und liegen lassen, werden diese (schließlich teuren) Zutaten eingespart – dabei braucht man sie doch dringend, um jeweils eine Portion vom gehackten Fleisch mit ein paar Kräuterblättchen (mal Minze, mal Koriander, mal das süße Thai-Basilikum Bai Horapha) in ein Salatblatt zu wickeln; so kann man immer wieder zierliche Päckchen zum Munde führen und unterschiedliche Geschmackseindrücke genießen. Das ist unseren Landsleuten leider nicht beizubringen… So ist der Laden also durchaus und trotzdem durchaus empfehlenswert. Und obwohl die Atmosphäre während des Essens durch zunächst ein reichlich trumpisch trompetendes amerikanisches Ehepaar am Nachbartisch stark beeinträchtigt wurde, was sich nach Ankunft des zweiten Paares und die Wahl eines entfernter gelegenen größeren Tischs nur wenig ins Positive veränderte, verließen wir das Lokal schließlich auf das angenehmste gesättigt und schlenderten durch einen leichten Sprühregen durch den sommerlich warmen Herbstabend in unser Hotel.

Der Frankfurter Hof ist für uns zur Buchmesse seit mehr als 35 Jahren Heimat. Es lässt sich dort wahrlich angenehm nächtigen. Angenehm auch, weil die Kosten verlagsseitig übernommen werden. Autoren haben‘s da gut: Man braucht sie ja, um die Bücher auf der Messe zu präsentieren, den Buchhändlern und der Presse nahe zu bringen, für Fotos und Interviews. Am Mittwoch, nach der Preisverleihung der GAD – wir bekamen ja eine Goldmedaille für unser TV-Jubiläums-Buch „Das Beste aus 30 Jahren“ (Becker Joest Volk Verlag) und wurden anschließend mit dem „Lifetime Award“  für „unsere hervorragenden und nachhaltigen Leistungen in den Themenbereichen Essen, Trinken und Tafelkultur“ in vielen Büchern (mit im Laufe der Jahre 19 Medaillen im literarischen Wettbewerb der GAD ausgezeichnet!) und 30 Jahren TV gewürdigt – stellten wir am Nachmittag unser Buch den Buchhändlern und der Presse am Stand des Verlags vor. Trotz der zunächst nicht so recht funktionierenden Verstärkeranlage konnten wir das Interview per Lautsprecher ans geneigte Publikum bringen. Zu trinken gab‘s Pomme-Pure (prickelnder Apfel alkoholfrei) und Pomme-Brut (Apfelschaumwein in traditioneller Flaschengärung) vom Apfelgut, wir servierten Häppchen aus dem Buch und versahen eine Menge Exemplare mit persönlicher Widmung. Am Donnerstag und Freitagmittag dann stellten wir unser neuestes Werk, „Unsere Waldküche“ vor, das im Lübbe-Verlag erschienen ist. Die erste Resonanz ist sehr ermutigend!

Um sich für die Messe zu stärken, haben wir in all den Jahren immer das Frühstück im Hotel ausführlich genossen, das reichhaltige, wohlsortierte und sich durch gute Zutaten auszeichnende Büfett und die Eierspeisen waren legendär. Diesmal mussten wir Niedergang konstatieren. Der Espresso säuerlich und aggressiv, ohne jegliche Italianità; das Obst im Salat unreif, hart und ohne Aroma – die Melone heißt mit Vorname Gurke, meint Martina; der Schinken lieblos in kompakten Haufen auf die Platte gehäuft und von mäßiger Qualität; das Fisch- und Käseangebot ärmlich; statt der eleganten und leichten Auswahl japanischer Spezialitäten sind nur schwere und fettige arabische Speisen verfügbar. So ändern sich die Zeiten. Und weil Genuss trotz des stattlichen Preises (38 € p. P.) nicht zu erwarten stand, frühstücken wir anderswo, nämlich in der nicht weit entfernten Kaffeerösterei Wacker (am Kornmarkt 9). Eine sensationell effektive und freundliche Barista an der Maschine, die höchst effizient und pausenlos herrlich aromatisch duftende Tassen zaubert: Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato schmecken hier erstklassig und wunderbar. Wir vermuten, dass dies auch in einem japanischen Reiseführer vermerkt sein muss, so viele japanische Gäste staunten hier über den günstigen Preis… Und das Schinken-Baguette steht dem Espresso  in nichts nach. An drei Vormittagen wurden wir zu leidenschaftlichen Stammgästen.

Während wir bereits im Frühjahr mit unseren Journalisten-Kollegen des FEC (Food Editors Club) typisch Frankfurter und Sachsenhäuser Gaststätten und Restaurants besucht haben, um  regionale und saisonale Spezialitäten kennen zu lernen, haben wir uns dieses Mal auf asiatische Restaurants beschränkt. Mit einer Ausnahme, die allerdings fischküchenmäßig auch von der japanischen Küche geprägt ist: das peruanische La Cevicheria in der Kantstraße 25. Wieder ein Haus, das nicht durch die Eleganz der Ausstattung besticht, sondern mit seinen Speisen punktet. Und mit dem Aperitif-Cocktail Pisco Sour, der von allen Gästen geschätzt wird – mit Recht, denn er schmeckt vorzüglich. Es gibt verschiedene Ceviches, also roh marinierten Fisch in seiner leche de tigre, der berühmten scharf-sauren „Tigermilch“. Diese entsteht, wenn das Eiweiß des rohen Fischs sich mit der Marinade aus Limettensaft, Chili (gelb oder rot), roter Zwiebel und Salz vermischt. Hier gibt es verschiedene Varianten, mit Rotbarsch in originaler Version, mit Maracuja ganz tropisch anmutend und eher japanisch angehaucht, mit Thunfisch. Dazu geröstete Maiskörner, Canchas genannt, die für Biss und Crunch sorgen. Schmeckt alles frisch und gut, es hapert aber, am üppig-intensiven Duft der originalen Kräuter, es  gibt keinen Koriander oder Quillquina, gerade mal ein paar Blättchen Minze. Auch mit der Chili-Schärfe ist man sparsam – das richtige peruanische Glücksgefühl mag sich nicht so recht einstellen… Und dann sind eider auch die Chifles de Platano, die Bananenfritters, nicht frisch gemacht, daher etwas muffig und fettig. Trotzdem: Man kann da schon mal essen gehen – und unbedingt den Pisco Sour genießen!

Was die Dim Sum angeht, wollten wir es aber doch wissen: Mittagessen bei Madame Mei in der Börsenstraße 17. Ein ganzer Asia-Komplex mit japanischem und chinesischem Restaurant. Mit stoischer Miene nimmt unser Ober die Bestellung auf: Frittierte Maultaschen mit Garnelen, gedämpfte Reisnudelrolle mit Garnelen, gedämpfte Maultaschen mit Garnelen, gedämpfte Teigtaschen mit Jakobsmuscheln, gedämpfte Rippchen mit schwarzen Bohnen, gedämpfte Hühnerfüße in Abalone-Sauce, gedämpfte Kälbermagen (Blättermagen), Teigtaschen mit Fleisch. Es dauert nicht lange, dann kommt eine Schüssel, ein Körbchen nach dem anderen, schnell ist der ganze Tisch voll. Wir beginnen da und dort mit den Stäbchen zu naschen, und schon entpuppt sich unser  vietnamesische Kellner als ausgesprochen gesprächig. Wir hätten Dim Sum sicher in Hongkong kennen gelernt? Ja, warum? Weil Beide essen von allem, mit Stäbchen. Ja, außer Hühnerfüße, die Martina verschmäht. Seit 30 Jahren ist er in Deutschland, bald geht er in Rente und dann wieder nach Hause. Hier, behauptet er mit Bestimmtheit, hier gäbe es die besten Dim Sum in Town. Wir finden sie auch gut, geben uns aber noch nicht zufrieden.

Abends daher noch ein Versuch im Dim Sum House in der Vilbeler Straße 27, gleich hinter dem Westin Grand. Irgendjemand hat uns das mal empfohlen. Nicht leicht zu finden, weil an einem Innenhof gelegen, in dem sogar draußen sitzen kann – dank des warmen Oktobers selbst am Abend. Fast ausschließlich Asiaten speisen hier, auch Familien mit Kindern. Bestes Zeichen! Wir bestellen 11 verschiedene Sachen. „Viel zu viel, ist für 4 Personen“, sagt die Bedienung. Wir haben aber Hunger und beharren auf der Bestellung. Tatsächlich ein Fehler: Die Dim Sum, die hier wirklich vom Herzen kommen, sind doppelt so groß wie üblich (und die am Mittag genossenen)! Sie schmecken ausgezeichnet, sehr differenziert, gut gewürzt, das eine locker und zart, das andere schön knackig und das dritte crisp. Die frittierten Wan Tan so sensationell knusprig, unfettig und leicht wie nur ganz selten. Ausgesprochen delikat. Hier ist wirklich alles hausgemacht: die riesigen Har Kau (gedämpfte Garnelentäschchen), die man vierteln muss, um sie zierlich in den Mund zu befördern; die Siu Mai (gedämpfte Schweinefleischtäschchen), ebenso groß und sehr würzig; die Reisnudelrollen schmelzend zart und schlonzig, die gedämpften Rippchen, der Blättermagen und die Hühnerfüße – jedes eine eigenständige, abwechslungsreiche Zubereitung; auch die Teigtaschen mit Pilzen und die Reisteigtaschen Chiu Zhao mit eigenwilligen Aromen. Alles durchaus deftig, herzhaft, nicht fein und zart, sondern kraftvoll-bürgerlich, möchte man sagen, wenn das denn auf die traditionelle chinesische Realität zutreffen würde. Obwohl mit einem guten Appetit gesegnet, müssen wir schließlich passen. Aber das macht nichts: Es wird uns angeboten alle Reste einzupacken. Wir nehmen dankend an und freuen uns, dass die Selbstverständlichkeit, mit der die Zuwanderer uns das von uns (übrigens nur bar möglich!) bezahlte Essen in Plastikschalen verstauen und mit nach Hause geben, die ängstliche, typisch deutsche Genierlichkeit in dieser Beziehung konterkariert. Glücklicherweise, denn die Reste haben wir in den Kühlschrank des Hotels geparkt, dann mit nach Hause genommen und genüsslich verspeist. Gerade eben, sozusagen zwischen den Zeilen dieses Berichts. Hat alles immer noch gut geschmeckt.

Fazit: Natürlich konnten wir nur ein paar Restaurants besuchen – wir berichten hier über diejenigen, die uns nach verschiedenen Recherchen positiv aufgefallen sind. Nach Berlin dürfte das international geprägte Frankfurt die am besten mit guten, authentisch kochenden und zubereitenden asiatischen Restaurants versorgte Stadt Deutschlands sein. Düsseldorf schneidet bei den Japanern wohl noch etwas besser ab, Hamburg bei den Chinesen. Nirgendwo isst man so gut thailändisch und vietnamesisch wie in Berlin. Stuttgart und München hinken leider deutlich hinterher, hier wird am meisten auf den deutschen Geschmack eingegangen, gibt man sich am wenigsten Mühe, original zu kochen.

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